Liebe Leserinnen und Leser
Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bedanken für die vielen Rückmeldungen, die ich auf den letzten Newsletter erhalten habe. Das Thema, wie wir sicherstellen können, dass wir in unserer sich rasch ändernden Welt informiert sind, beschäftigt offensichtlich viele Menschen.
Im letzten Newsletter ging ich noch wenig auf Künstliche Intelligenz ein. Tatsächlich bringt KI hier aber gerade noch einmal eine deutliche Zunahme der Herausforderungen. Denn eine der zentralen Fragen wird sein, was wir überhaupt über unsere Welt noch sicher wissen können. Hier stehen wir nämlich in einer problematischen Entwicklung. Mit KI wird es immer einfacher, innert kürzester Zeit Falschinformationen in grosser Zahl zu erstellen und online zu publizieren. Das macht es allein schon viel schwieriger, sie zu überprüfen. Denn eine zentrale Methode, um den Wahrheitsgehalt einer Meldung zu überprüfen, liegt ja darin, mehrere Quellen zu vergleichen. Wie aber kann ich das, wenn die falsche Information auf hunderten von Webseiten zu finden ist, die in Textart, Layout usw. auch noch sehr unterschiedlich aussehen?
Dazu kommt, dass Künstliche Intelligenz beim Erstellen von Texten ohnehin nicht zwischen richtig und falsch unterscheiden kann. Berücksichtigen wir nun noch, dass nach verschiedenen Schätzungen bereits die Hälfte der Inhalte im Internet KI-generiert sein sollen, wird die Schwierigkeit erst recht deutlich. Denn KI fasst dann immer mehr Texte zusammen, die selbst mit KI generiert sind. Das Departement des Innern weist daher darauf hin, dass Desinformation – gerade im Einfluss von KI – in der Schweiz zunimmt. Und auch Bundesrat Martin Pfister nannte an der Präsentation der Sicherheitsstrategie gezielte Desinformation, unter anderem von Russland, als eines der grossen Risiken, mit denen die Schweiz bereits heute konfrontiert ist.
Zwei Beiträge von SRF nehmen das Thema der Überfülle von KI-generierten Inhalten ebenfalls auf.
Was können wir tun? Zum einen geht es natürlich darum, auf gesellschaftlicher und politischer Ebene Strukturen sicherzustellen, die auch künftig Information gewährleisten. Wir können aber auch bei uns selbst schon anfangen. Denn unser eigenes Wissen ist und bleibt unverzichtbar. Dass Wissen unwichtig sei, weil wir jederzeit alles online finden, war noch nie richtig. Im Kontext von KI sind wir ohne fundiertes Wissen absolut unfähig, die Resultate auf eine Suchabfrage auch nur einigermassen zu verifizieren.
Unverzichtbar ist dazu auch und gerade die Lesefähigkeit. Um diese zu fördern, lanciert die PHTG zusammen mit der Stadt Kreuzlingen und über einem Dutzend Partnerorganisationen ein Lesefestival. Vom 15.-29. März sind auch Sie zu einer der vielen Veranstaltungen eingeladen. Unter anderem liest am 20. März Rita Arulkumaran aus ihrer Maturaarbeit «Unspoken – Identität und psychisches Leiden in der tamilischen Diaspora», die im Jugendwettbewerb der Stiftung Think Tank Thurgau 2023 mit dem ersten Preis prämiert wurde.
Mit freundlichen Grüssen
Thomas Merz
Mitglied Stiftungsrat Think Tank Thurgau
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