Liebe Leserinnen und Leser
Was, wenn wir uns alle stillschweigend in einer Art «grün eingefärbter Wegwerfgesellschaft 2.0» befinden, in der Nachhaltigkeit vor allem zum neuen Schönheitsideal von Politik und Wirtschaft geworden ist, ohne dass wir wirklich etwas Substanzielles verändern? Genau diese Provokation liegt über dem neuen Portrait von Daniel Dahm, der uns nicht länger mit halbherzigen Nachhaltigkeits-KPIs abspeisen will. Stattdessen fordert er Lebensdienlichkeit als ernsthaften Massstab, nicht einen weiteren Zertifikatsstapel im Management-Report, sondern ein radikal anderes Verständnis dessen, was Zukunftsfähigkeit wirklich bedeutet. Dahm stellt uns damit vor die unbequeme Frage, ob unser derzeitiges «Nachhaltigkeitsdenken» nicht längst zur Fortsetzung des Status quo in neuem Gewand verkommen ist.
Radikal klar zeigt sich dieser Anspruch auch im zweiten Beitrag unseres heutigen Newsletters, dem neuen Forschungsprojekt «CircEL» der Universität Freiburg, das Wege aus der Wegwerfgesellschaft hin zu echter Kreislaufwirtschaft erforscht. Statt «Recycling als Schönwetter-Buzzword» geht es hier um juristische und technische Grundlagen, die dafür sorgen könnten, dass Produkte wirklich länger genutzt werden und Ressourcen nicht einfach nur verschoben oder kaschiert werden.
Beide Beiträge drehen sich um denselben radikalen Gedanken. Nachhaltigkeit ist mehr als ein rhetorischer Anstrich. Sie erfordert einen System- und Denkbruch, der weit über ESG-Labels, CO₂-Bilanzierung oder teure Nachhaltigkeitsberichterstattung hinausgeht. Nachhaltig zu sein heisst nicht, weniger schlecht zu sein, sondern anders zu sein. Diese Perspektive kann uns im Thurgau herausfordern, unsere eigenen Annahmen aufzubrechen und den Mut zu finden, nicht nur «grün zu reden», sondern wirklich zukunftsfähig zu handeln.
Ich wünsche Ihnen viel Inspiration beim Lesen unserer Artikelauswahl zu den heutigen Schwerpunktthemen Nachhaltigkeit und Digitalisierung
Matthias Mölleney
Präsident Think Tank Thurgau
Treiber des Wandels – Daniel Dahm
Dr. Anna Katharina Meyer porträtiert Daniel Dahm als einen radikalen Denker der Nachhaltigkeit. Er fordert nicht nur detaillierte, wissenschaftlich fundierte Diskurse, sondern stellt die Lebensdienlichkeit ins Zentrum seines Ansatzes. Seine „Sustainability Zeroline“ setzt klare Massstäbe für verantwortbares Handeln und regenerative Wirtschaft. Daniel inspiriert zur Offenlegung von Massstäben und fordert Konsequenz im Handeln, um echten Wandel zu ermöglichen.
Nachhaltigkeit statt Wegwerfgesellschaft: Forschungsprojekt sucht Wege zur Kreislaufwirtschaft
Das Forschungsprojekt „CircEL“ an der Universität Freiburg erforscht Wege zur Kreislaufwirtschaft, um Materialien und Produkte nachhaltiger zu nutzen. Ingenieurinnen und Juristinnen arbeiten zusammen, um technische Systeme besser zu kreislauffähig zu machen und rechtliche Rahmenbedingungen anzupassen. Gefördert von der Carl-Zeiss-Stiftung mit drei Millionen Euro, wird das Projekt vier interdisziplinäre Doktorarbeiten und zwei Habilitationsstellen schaffen. Ziel ist eine anhaltende Kooperation zwischen technischer und rechtswissenschaftlicher Forschung.
Ein Modell für die Stadt von morgen: Wie Heilbronn Smart City erlebbar macht
Heilbronn setzt auf Smart City Living Labs und nutzt den Smart Campus als Reallabor für vernetztes urbanes Leben. Dabei kommen IoT-, KI- und 5G-Technologien zum Einsatz. Der Fokus liegt auf der ereignisgesteuerten Integration für skalierbare, sichere und effiziente Datenverarbeitung. Beispiele wie der KI-Roboter Loomi, intelligentes Energiemanagement und digitale Zwillinge im Weinbau zeigen das Potenzial dieser Ansätze.
Künstliche Intelligenz (KI) bietet immense Chancen für die Gesellschaft, erfordert jedoch verantwortungsbewusste Nutzung und klare Leitplanken. Laut Jan vom Brocke, einem führenden Wirtschaftsinformatiker, kann KI die Welt verbessern, wenn sie zur Steigerung der Effizienz und zur Förderung sozialer Kompetenzen eingesetzt wird. Vertrauen in KI entsteht durch positive Erfahrungen und Wissen. Forschung und Ausbildungsinitiativen sind dabei zentral.
Die steigende Bildschirmnutzung bei Kindern und Jugendlichen führt zu ernsthaften psychischen Problemen, darunter Depressionen und Angststörungen. Eine US-Studie zeigt, dass tägliche Screentime ab vier Stunden das Risiko für solche Störungen signifikant erhöht. Zusätzlich treten oft Verhaltensstörungen und ADHS auf. Der Mangel an körperlicher Aktivität und unregelmässige Schlafzeiten verschärfen diese Probleme. Experten empfehlen, Kinder in den ersten drei Lebensjahren komplett bildschirmfrei zu erziehen, um Entwicklungsstörungen vorzubeugen. Initiativen zur Aufklärung und Unterstützung der Eltern sind entscheidend.
Die Generation Z, geboren zwischen 1995 und 2012, kämpft zunehmend mit dem Verlust der Fähigkeit, handschriftlich zu schreiben, da der Fokus auf digitalen Technologien liegt. Studien zeigen, dass das Schreiben per Hand wichtige kognitive Vorteile bietet, wie verbesserte Rechtschreibung und Gedächtnisleistung. Länder wie Schweden und Norwegen ziehen sich teilweise aus der Digitalisierung zurück, um dem entgegenzuwirken. Eine Kombination aus analogen und digitalen Lernmethoden wird als optimal betrachtet, um grundlegende Sprachfähigkeiten zu entwickeln und die digitale Kompetenz zu stärken.
Das Bündnis Digitalisierung in der Pflege kritisiert die bisherigen politischen Massnahmen zur Digitalisierung in der Pflege als unzureichend und fordert eine umfassende Reform. Im Fokus steht ein nationaler Strategieplan mit klaren Finanzierungsregelungen. Es werden vier zentrale Forderungen erhoben: eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie, verlässliche Finanzierung, die Etablierung der Pflegeinformatik als eigenständige Disziplin und die strategische Berücksichtigung neuer Technologien wie Künstliche Intelligenz.
Bildquellen
- nachhaltigkeit-1092895-1280×853: Xenia Hübner, CCNull, CC-BY 2.0, Bild-ID: 1092895