Liebe Leserinnen und Leser
Wann haben Sie das letzte Mal einen Tag erlebt, an dem sich nichts verändert hat?
Neue Technologien verändern unsere Arbeit. Künstliche Intelligenz stellt Berufe und Geschäftsmodelle infrage, während gleichzeitig neue Lebens- und Familienformen unseren Alltag prägen. Städte werden «smart», während ländliche Regionen nach ihrer Rolle in einer digitalisierten Welt suchen. Und viele Menschen fragen sich, welche Kompetenzen und Werte in Zukunft überhaupt noch zählen werden.
Veränderung ist längst kein Ausnahmezustand mehr. Sie ist für die meisten Menschen zum Normalzustand geworden. Ich finde, es lohnt sich aber den Blick nicht nur auf die Veränderungen selbst zu richten wie das berühmte Kaninchen auf die ebenso berühmte Schlange, sondern auf das, was sie in unserem Zusammenleben auslösen. Welche Technologie sich durchsetzt oder welches Berufsbild verschwindet, ist aus meiner Sicht weniger wichtig als die Art, wie wir als Gesellschaft, als Familien und als Unternehmen mit diesen Veränderungen umgehen.
Der Wissenschaftskongress des Think Tank Thurgau hat sich am 4. Juni mit dem Thema «Beziehungen» beschäftigt, einem Thema, das in all den Veränderungen oft übersehen wird. Die Erkenntnisse der Referentinnen und Referenten waren überraschend klar. Gelingende Beziehungen, ob privat, beruflich oder gesellschaftlich, entstehen dort, wo Freiheit und Verantwortung im Gleichgewicht sind. Wo brauchen eine Welt, in der Menschen unterschiedlich sein dürfen und gleichzeitig bereit sind, Verantwortung füreinander zu übernehmen.
Ich bin davon überzeugt, dass nicht die Technologie über unsere Zukunft entscheidet. Algorithmen, Plattformen oder künstliche Intelligenz sind Mittel, die wir zur Unterstützung einsetzen können. Entscheidend bleibt, wie wir Menschen miteinander leben, arbeiten und Verantwortung übernehmen. Der Fortschritt verändert die Welt, aber die Qualität unserer Beziehungen wird entscheidend dafür sein, ob sie dadurch besser wird.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre.
Herzliche Grüsse
Matthias Mölleney
Präsident Think Tank Thurgau
Beziehungen brauchen Freiheit und Verantwortung
Beim Wissenschaftskongress 2026 im Casino Frauenfeld untersuchte der Think Tank Thurgau die Entwicklungen von Beziehungen im 21. Jahrhundert. Der gesellschaftliche Wandel und technologische Fortschritt führen zu vielfältigeren Beziehungsmodellen, aber auch zu Unsicherheiten und mehr Verantwortung. Experten betonen, dass der Umgang mit Bedürfnissen, Verbindlichkeit und Veränderung entscheidend ist.
Im Interview spricht Joachim Bauer über die gesellschaftlichen Folgen der KI-Revolution. Er warnt vor der Nutzung von KI-Chatbots als Ersatz für menschliche Beziehungen, was zu Entmenschlichung und digitaler Unmündigkeit führen kann. Bauer kritisiert die transhumanistische Vorstellung, Bewusstsein auf Maschinen zu übertragen und betont, dass das menschliche Bewusstsein untrennbar mit einem lebendigen Körper verbunden ist. Er fordert einen kritischen Umgang mit technischen Entwicklungen.
Bevölkerung gespalten in Haltung gegenüber Künstlicher Intelligenz
Die Schweizer Bevölkerung sieht Chancen in der Künstlichen Intelligenz, fordert aber mehr Kontrolle und digitale Souveränität. Vertrauen in Schweizer Lösungen bleibt hoch; zugleich wächst die gesellschaftliche Skepsis gegenüber der Digitalisierung. 41 % bewerten deren Einfluss negativ. Obwohl die Digitalisierung positiv in Industrie und Produktion gesehen wird, herrscht Unsicherheit über ihre Auswirkungen auf Arbeitswelt und sensible Bereiche wie Bildung und Gesundheit.
Experiment zeigt: Dieselbe KI-Frage liefert je nach Sprache andere Urteile
Ein Experiment zeigt, dass KI-Urteile je nach Sprache variieren können, was Herausforderungen für den Einsatz von KI in Schulen schafft. Griechenland plant eine Vorreiterrolle mit klaren Vorschriften für die schulische Nutzung der KI, die als Lernhilfe dienen soll, aber unter Aufsicht der Lehrkräfte bleibt. Komplett KI-basierte Hausarbeiten gelten als Leistungsverweigerung. Der Schutz personenbezogener Daten wird streng geregelt.
Dieser Ratgeber analysiert Berufe, die in Zeiten von KI und Automatisierung langfristig Bestand haben könnten. Basierend auf Kriterien der Arbeitsmarktforschung werden 30 Berufe vorgestellt, die aufgrund körperlicher Präsenz, Feinmotorik, zwischenmenschlichem Vertrauen und Verantwortung schwer automatisierbar sind. Besonders Handwerks-, Gesundheits- und technische Berufe gelten als zukunftssicher. Die Wahl zwischen Studium und Lehre hängt stark von den spezifischen Anforderungen des Berufs ab.
Smart Cities – Wer kontrolliert die Systeme – und unsere Daten?
In der zunehmend digitalisierten Welt nehmen Smart Cities an Bedeutung zu. Doch während KI-Systeme unseren öffentlichen Raum effizienter gestalten, erhalten Technologieriesen neuen Einfluss und kontrollieren wichtige Infrastrukturen sowie persönliche Daten. Dies wirft drängende Fragen zur Datensicherheit und Kontrolle auf: Wer steuert diese Systeme und wie werden unsere Informationen genutzt?
Ein Bericht von AlgorithmWatch kritisiert die Klima-Versprechen von Big-Tech in Bezug auf KI. Die Unternehmen stellen in Aussicht, dass KI den Klimawandel positiv beeinflussen könnte, doch fehlen belastbare Beweise. Generative KI ist besonders energieintensiv und trägt massgeblich zu Klimaschäden bei. Nur 26 Prozent der Versprechen stützen sich auf wissenschaftliche Studien, während viele unbelegt bleiben.