Liebe Leserinnen und Leser

Was erfolgreiche Regionen von weniger erfolgreichen unterscheidet, ist vor allem ihre Fähigkeit zu lernen, von den eigenen Erfahrungen ebenso wie von den Ideen anderer.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf habe ich den heutigen Newsletter zusammengestellt. Die Auswahl der Beiträge ist diesmal etwas umfangreicher ausgefallen als gewohnt. Vielleicht bieten die Sommerferien aber gerade die Gelegenheit, sich etwas mehr Zeit für neue Perspektiven und inspirierende Beispiele zu nehmen.

Die Beiträge habe ich bewusst in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil finden Sie Entwicklungen und Initiativen aus der Ostschweiz. Sie zeigen, wie unsere Region durch Vernetzung, Digitalisierung und gemeinsames Engagement ihre Zukunft gestaltet. Es sind Beispiele, die Mut machen und deutlich machen, dass Innovation keineswegs nur in den grossen Metropolen entsteht.

Im zweiten Teil lade ich Sie ein, den Blick über die Landesgrenzen hinaus zu richten. Dort geht es nicht darum, fertige Lösungen zu übernehmen. Viel interessanter ist die Frage, welche Ideen und Erfahrungen uns helfen können, unsere eigenen Herausforderungen besser zu bewältigen. Wo Offenheit auf Neugier trifft, entsteht Fortschritt.

Der Think Tank Thurgau versteht sich als Plattform für diesen Austausch. Wir möchten Menschen zusammenbringen, Denkanstösse geben und dazu beitragen, dass gute Ideen ihren Weg in unsere Region finden. Denn letztlich entscheidet nicht die Grösse einer Region über ihre Zukunft, sondern ihre Bereitschaft zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine inspirierende Sommerzeit, interessante Lektüre und vielleicht den einen oder anderen Gedanken, der Sie auch nach den Ferien noch begleitet.

Herzliche Grüsse

Matthias Mölleney

Präsident Think Tank Thurgau

Ostschweizer Themen

«Appenzellerland über dem Bodensee» vernetzt Vereine, Kultur und Gewerbe

Das Programm «AüB verbindet» des Vereins Appenzellerland über dem Bodensee fördert Austausch und Zusammenarbeit in den Bereichen Nahversorgung, Sport und Kultur. Ziel ist es, lokale Akteure wie Geschäfte, Vereine und Kulturschaffende zu vernetzen, um Herausforderungen gemeinsam anzugehen und Synergien zu nutzen. Nach einem erfolgreichen Start 2024 wird die Initiative mit weiteren Veranstaltungen 2026 fortgesetzt.

Die Spital Thurgau AG setzt auf Digitalisierung

Die Spital Thurgau AG fördert die Digitalisierung durch die Einführung der Gesundheits-App Compassana. Diese ermöglicht Patienten, wichtige Gesundheitsdaten sicher und digital vor einem Spitalaufenthalt zu übermitteln. Nach dem Aufenthalt sind ebenfalls Dokumente über die App zugänglich. Die Nutzung ist freiwillig und entspricht den Datenschutzstandards der Schweiz. Compassana, unterstützt von führenden Krankenversicherern, wird seit Juni 2026 an allen Standorten eingesetzt.

Digital Conference Ostschweiz bringt KI und Cybersecurity nach St.Gallen

Am 8. September 2026 findet im Einstein Congress in St.Gallen die Digital Conference Ostschweiz 2026 statt, die sich um das Thema «Cybersecurity trifft KI – Risiko oder Chance?» dreht. Renommierte Experten wie Richard David Precht und Jill Wick sprechen über die Balance zwischen KI-Chancen und Sicherheitsrisiken. Die Konferenz bietet Keynotes, Breakout-Sessions und die Ehrung des Digital Shaper Ostschweiz.

Anregungen aus der Nachbarschaft

Mehr Sicherheit im Amt: Wie das Bundesdruckerei-Projekt Möve Behörden-KI zähmt

Das deutsche Bundesdruckerei-Projekt Möve bewertet KI-Sprachmodelle für Behörden anhand entsprechender Anforderungen wie Sprachverarbeitung, juristischer Verlässlichkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit. Seit 2025 werden über 50 Modelle systematisch verglichen, wobei Gemma4 und GPT-40 vorne liegen. Praxistests nutzen reale Verwaltungsdaten. Sicherheitsaspekte werden mit dem BSI und Fraunhofer AISEC vertieft. Ergebnisse sind online abrufbar, jedoch nicht rechtlich verbindlich.

Smarte Parkplätze und digitale Dienste in Bocholt: Was Bürger online nutzen können

Die deutsche Stadt Bocholt setzt auf Digitalisierung: Die Stadt bietet 400 digitale Dienstleistungen, von Wohnsitzanmeldung bis Sperrmülltermin, um Emissionen zu reduzieren und Bürger sowie Verwaltung zu entlasten. Smarte Parkplätze sollen den Suchverkehr minimieren; die Implementierung startet 2026. Während viele Dienstleistungen bereits online sind, stellen Authentifizierungshürden eine Nutzungshindernis dar. Die Stadt strebt eine ganzheitliche Digitalisierung an und plant künftige Projekte wie eine „Heat Map“ zur ressourcenschonenden Bewässerung.

Nachhaltige Nachbarschaft: Mainzer setzen aufs Teilen

Mainz setzt aufs Teilen: Unter dem Motto „Teilen ist das neue Haben!“ haben das Agenda-Büro und die Kommunale Abfallwirtschaft Mainz die Aktion „Mainz teilt!“ gestartet. Ziel ist es, Nachbarn zum Verleihen von Alltagsgegenständen zu motivieren, um Ressourcen zu schonen und Gemeinschaft zu stärken. Im Mainzer Umweltladen können Materialien wie Sticker und Flyer abgeholt werden, um die Aktion bekannter zu machen. So wird Nachhaltigkeit auf humorvolle Weise gefördert.

Sanierung ohne Dämmung: Wie Wintergärten alte Wohnblocks retten können

Das französische Architekturbüro Lacaton & Vassal revolutioniert die Sanierung von Wohnblocks der 60er/70er Jahre mit transparenten Wintergärten statt dicker Dämmung, was Energieeffizienz steigert und Wohnraum erweitert. Ihr bekanntes Projekt Tour Bois-le-Prêtre in Paris zeigte, dass Umbauten günstiger und nachhaltiger als Abriss sind.

Methan fressende Bakterien reinigen Flüsse – doch fürs Klima reicht das nicht

Methan wirkt stark erwärmend und ist sehr klimaschädlich. In Flüssen bauen methanfressende Bakterien einen Teil des Gases ab. Doch in kleinen Bächen, die 75 Prozent der Methanemissionen aus Flüssen ausmachen, beseitigen die Mikroben meist weniger als fünf Prozent des Methans. Grössere Flüsse schaffen mehr Abbau, doch Uferverbauung und invasive Arten behindern den Prozess in Europa. Steigende Methanproduktion durch Erwärmung könnte das Problem weiter verschärfen.

Grosse Firmen dürfen unverkaufte Mode nicht mehr wegwerfen

Grosse Firmen in der EU dürfen unverkaufte Mode nicht mehr wegwerfen, sondern müssen sie verkaufen oder spenden. Die neue Vorschrift, Teil der EU-Ökodesign-Verordnung seit Juli 2024, soll Ressourcen sparen und Umweltschäden reduzieren. Kritiker bemängeln jedoch Bürokratie und mangelnde Wirksamkeit ohne geeignete Sammel- und Recyclingstrukturen. Umweltschützer warnen vor Schlupflöchern, während das Kernproblem Fast Fashion ungelöst bleibt.

Wie Chief Sustainability Officer aktuelle Hürden bewältigen

Nachhaltigkeit ist strategisch unverzichtbar, verliert aber im operativen Alltag an Priorität, wie eine aktuelle Horváth-Studie zeigt. Steigende Kosten und geopolitische Unsicherheiten verschieben den Fokus auf kurzfristige Ergebnisziele. ESG-Datenmanagement und regulatorische Anforderungen sind derzeit vorrangig. Der Business Case für Nachhaltigkeit muss klarer werden, um in zentrale Entscheidungen integriert zu werden.

Bildquellen

  • : Hansueli Krapf