Liebe Leserinnen und Leser

Künstliche Intelligenz ist längst kein Zukunftsthema mehr. Die Auswirkungen sind bereits heute spürbar. Als Geschäftsführer der talendo ag erlebe ich dies unmittelbar. Während wir in der Vergangenheit an unseren Absolvierenden-Messen in der ganzen Schweiz regelmässig auf eine hohe Nachfrage nach Hochschulabsolvierenden trafen, beobachten wir heute eine andere Entwicklung: Viele Unternehmen reduzieren ihre Rekrutierungsaktivitäten oder sagen ihre Messeteilnahmen ganz ab. Als Begründung wird häufig ein geringerer Personalbedarf genannt. Besonders betroffen sind Tätigkeiten im Büro- und Wissensbereich, während nur wenige Studienrichtungen wie beispielsweise im Gesundheitswesen bislang weitgehend von dieser Entwicklung verschont bleiben.

Diese Beobachtungen haben mich dazu veranlasst, die vorliegenden Beiträge für diesen Newsletter auszuwählen. Sie beleuchten die Chancen und Risiken der KI-Revolution aus unterschiedlichen Perspektiven.
Der erste Artikel geht der Frage nach, welche Auswirkungen KI auf den Arbeitsmarkt haben wird. Führende KI-Entwickler und Arbeitsmarktexperten erwarten, dass insbesondere Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger sowie wissensbasierte Tätigkeiten unter Druck geraten könnten. Gleichzeitig stellt sich die gesellschaftliche Frage, wie wir den Übergang in eine stärker automatisierte Arbeitswelt gestalten wollen.

Der zweite Beitrag widmet sich den technologischen Entwicklungen selbst. Das KI-Unternehmen Anthropic warnt vor einer neuen Generation von Systemen, die sich zunehmend eigenständig verbessern könnten. Die Autoren plädieren deshalb für eine Verlangsamung der Entwicklung, um sicherzustellen, dass der Mensch die Kontrolle über diese Technologien behält und genügend Zeit bleibt, geeignete Sicherheitsmechanismen zu etablieren.

Der dritte Artikel zeigt schliesslich, dass die Diskussion nicht nur die Arbeitswelt betrifft. Norwegen empfiehlt, generative KI in den ersten Schuljahren weitgehend zu verbieten. Die Begründung: Kinder sollen grundlegende Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen und kritisches Denken zunächst ohne digitale Hilfsmittel entwickeln. Erst auf diesem Fundament soll später ein sinnvoller Umgang mit KI aufgebaut werden.

Die drei Beiträge verdeutlichen, dass wir uns mitten in einem tiefgreifenden Wandel befinden. Umso wichtiger ist es, die Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen, Chancen zu nutzen und gleichzeitig die gesellschaftlichen Konsequenzen offen zu diskutieren. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Freundliche Grüsse

Adrian Fischer
Stiftungsrat Think Tank Thurgau

Arbeitsplatz-Angst geht um: „Viele Menschen werden ihre Jobs an eine KI verlieren”

Künstliche Intelligenz (KI) verändert unsere Arbeitswelt grundlegend und bedroht Arbeitsplätze, deren Ergebnisse digitalisierbar sind, wie bei Journalisten oder Softwareentwicklern, meint Peter Buxmann, Wirtschaftsinformatik-Professor. KI wird alltäglich und erfordert Anpassungen in Bildung und Arbeit. Die Technik vereinfacht vieles, birgt aber auch Risiken. Der verantwortungsvolle Umgang mit KI ist essenziell, da Missbrauch durch Kriminelle oder Extremisten droht.

KI: Anthropic warnt vor nächster Generation und plädiert für Entwicklungspause

Das KI-Unternehmen Anthropic warnt davor, dass die nächste Generation von KI-Systemen sich künftig teilweise selbst verbessern könnte („rekursive Selbstoptimierung“). Dadurch bestehe das Risiko, dass Menschen die Kontrolle über die Entwicklung und das Verhalten der Systeme verlieren. Deshalb schlägt Anthropic vor, die Entwicklung besonders leistungsfähiger KI-Modelle weltweit vorübergehend zu verlangsamen oder sogar zu pausieren. Die gewonnene Zeit soll genutzt werden, um Sicherheitsmechanismen, Regulierung und gesellschaftliche Strukturen weiterzuentwickeln.

Zurück zu Buch und Stift: Norwegen verbannt KI aus Grundschulen

Norwegen zieht die Reißleine in der digitalen Bildung: Die Regierung untersagt den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Grundschulen, um den Lernerfolg zu schützen und negative Trends bei Testergebnissen zu stoppen. Für Schüler bis 13 Jahre herrscht ein KI-Verbot, während ältere Schüler unter strenger Aufsicht vorsichtig KI-Tools nutzen dürfen. Der Kurswechsel geht einher mit dem Smartphone-Verbot und der Förderung klassischer Schulbücher. Dies befeuert auch in Deutschland die Debatte um Bildungstechnologien.

Bildquellen

  • igor-omilaev-FHgWFzDDAOs-unsplash: Foto von Igor Omilaev auf Unsplash