Liebe Leserinnen und Leser

Je intensiver wir uns mit künstlicher Intelligenz beschäftigen, desto deutlicher wird, wie viele andere Fragen auch ausserhalb der Technologie sie berührt. Das zeigt sich besonders auf dem Arbeitsmarkt. Der neue KI-Report von jobs.ch zeigt auf Basis von 7,3 Millionen Stelleninseraten, dass der Anteil der Einstiegspositionen 2025 um 32 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2022 lag. Besonders betroffen sind Bereiche, in denen klassische Aufgaben für Berufseinsteiger, wie Recherche, einfache Analysen, administrative Arbeiten oder erste Textentwürfe, zunehmend von KI übernommen werden können. Gleichzeitig fühlen sich erst 33 Prozent der Arbeitnehmenden in der Schweiz wirklich «KI-fit».

Ich frage mich, wie junge Menschen künftig jene Erfahrungen werden sammeln können, die sie später zu guten Fach- und Führungskräften machen? Ohne Juniors gibt es irgendwann keine Seniors mehr. Wenn KI vor allem die Aufgaben übernimmt, an denen Berufseinsteiger bisher gelernt haben, müssen wir Lernen, Ausbildung und Personalentwicklung neu denken. Der Arbeitsmarktforscher Oliver Schlenker weist zugleich darauf hin, dass die Entwicklung keineswegs überall gleich verläuft und KI nur einer von mehreren Faktoren ist. Erfahrung könnte durch KI sogar wertvoller werden, weil es Fachwissen braucht, um ihre Ergebnisse beurteilen zu können.

Wie unterschiedlich die Auswirkungen sein können, zeigt auch der Blick ins Gesundheitswesen. Dort kann KI beispielsweise helfen, Nachhaltigkeitsmassnahmen wirtschaftlich zu bewerten. Technologie wird damit vom Effizienzwerkzeug zum Instrument für Entscheidungen, bei denen ökologische und ökonomische Ziele zusammenkommen. Und schliesslich geht es um Vertrauen. Je selbstverständlicher wir mit KI-Systemen kommunizieren und je persönlicher die Informationen werden, die wir ihnen anvertrauen, desto wichtiger werden Datenschutz und Transparenz. Der Beitrag über die mögliche menschliche Prüfung von ChatGPT-Konversationen erinnert daran, dass sich die gefühlte Vertraulichkeit eines Gesprächs mit einer KI und die tatsächliche Datenverarbeitung unterscheiden können.

Das heisst für mich, dass wir KI, Arbeitswelt, Bildung, Datenschutz und Nachhaltigkeit immer weniger getrennt voneinander betrachten können. Auch die weiteren Beiträge dieses Newsletters zeigen solche Verbindungen – von konkreten Nachhaltigkeitsmassnahmen bei Thurgau Travel über Energieprojekte rund um den Bodensee bis zu neuen Ansätzen der Kreislaufwirtschaft. Technologischer Fortschritt findet nicht im luftleeren Raum statt. Er verändert, wie wir arbeiten, lernen, wirtschaften und mit Ressourcen umgehen. Wahrscheinlich wird eine der wichtigsten Fähigkeiten der nächsten Jahre darin bestehen, diese Zusammenhänge frühzeitig zu erkennen. Und dabei möchten wir als Think Tank Thurgau unseren Beitrag leisten.

Ich wünsche Ihnen eine inspirierende Lektüre der heutigen Artikelauswahl.

Herzliche Grüsse

Matthias Mölleney

Präsident der Stiftung Think Tank Thurgau

Die verschiedenen Aspekte von KI

jobs.ch KI Report 2026

Der jobs.ch KI Report 2026 zeigt wie künstliche Intelligenz Aufgabenprofile und Anforderungen am Schweizer Arbeitsmarkt verändert, insbesondere in digitalen Wissensberufen. Einstiegspositionen nehmen um 32% ab, während KI-Kompetenzen branchenübergreifend wichtiger werden. Praktische Berufe wie Pflege bleiben gefragt, KI-exponierte Rollen lassen sich einfacher besetzen. Weiterbildung und technologische Flexibilität werden für Unternehmen und Mitarbeitende zentral.

Wie stark KI Berufseinsteiger unter Druck setzt 

Generative KI setzt vor allem junge Berufseinsteiger unter Druck, doch laut Arbeitsmarktforscher Oliver Schlenker sind hierzulande eher die Rezession und weniger KI die Ursache für Jobprobleme. Besonders betroffen sind wissensintensive Berufe, während Erfahrung und soziale Fähigkeiten wichtiger werden. Ältere profitieren stärker, und KI kann gerade bei Fachkräftemangel Chancen bieten.

KI-Tool soll helfen: „Nachhaltigkeit im Krankenhaus muss sich auch rechnen“

Das Start-up mirasu bietet einen KI-gestützten Assistenten, der Krankenhäusern hilft, Nachhaltigkeitsmassnahmen konkret umzusetzen: Von Narkosegas-Reduktion bis zur Umstellung auf Mehrwegprodukte werden Projekte samt CO₂- und Kosteneinsparung durchgerechnet. So gelingt der Schritt vom Bericht zur realen Massnahme mit belegbarem ROI. Aktuell nutzen bereits acht Kliniken die Lösung.

ChatGPT-Chats nicht privat!

OpenAI lässt im Rahmen von „Project Lily“ Freiberufler echte ChatGPT-Nutzer-Chats prüfen – auch persönliche Gespräche. Ziel: Antworten weniger unterwürfig und menschlich wirken lassen, aber auch mehr Sicherheit. Problematisch ist die mangelnde Transparenz: Viele Nutzer wissen nicht, dass ihre Chats von Menschen gelesen werden. Datenschutz bleibt trotz technischer Filter eine Schwachstelle.

Nachhaltigkeit

Thurgau Travel zieht Nachhaltigkeitsbilanz

Thurgau Travel legt die dritte Nachhaltigkeitsbilanz vor und hebt Fortschritte bei CO₂-Reduktion, Stromsparmassnahmen und fairen Arbeitsbedingungen hervor. Zwei der 2024 geplanten Ziele wurden erreicht. Neu setzt das Unternehmen auf Mehrwegsysteme, vegetarische Menüs und ein neues, nachhaltiges Flussschiff ab 2027. Der Nachhaltigkeitsbericht erscheint künftig alle zwei Jahre.

ZukunftsEntdeckerRoute am Bodensee: Perlenkette der Energiewende

Die ZukunftsEntdeckerRoute am westlichen Bodensee verbindet auf 32 Kilometern elf spannende Energieprojekte, wie ein Solar-Lärmschutzwall, ein nahezu energieautarkes Wohngebiet und ein reaktiviertes Wasserkraftwerk. Per Rad und mit der App „Zeigmal“ erleben Gäste vor Ort, wie die Energiewende ästhetisch und innovativ in die Tourismusregion integriert wird.

Steiermark startet in den „Re-Use Herbst“

In der Steiermark startet der „Re-Use Herbst“ mit über 110 Aktionen rund um Abfallvermeidung und Nachhaltigkeit. Bis Anfang Oktober beteiligen sich Abfallverbände, Organisationen und Bildungseinrichtungen mit Flohmärkten, Repair-Cafés und Sammelaktionen. Mit einer Recyclingquote von 70 Prozent liegt die Steiermark europaweit vorne, beim Vermeiden von Abfall gibt es jedoch noch Potenzial.

Thurgau Kultur

KANTON THURGAU: KULTURKONZEPT 2027-2030

Das Kulturkonzept 2027–2030 des Kantons Thurgau setzt neue Schwerpunkte: Vier kulturpolitische Handlungsfelder – Förderung von Strukturen/Projekten, Museumsentwicklung, kulturelle Teilhabe und Kooperationen – stehen im Fokus. Zusätzlich fliessen jährlich rund vier Millionen Franken mehr aus dem Lotteriefonds in die Kulturförderung. Das Konzept gilt digital ab 2027.

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