Liebe Leserinnen und Leser
Wie viel Fortschritt tut uns eigentlich gut?
Wir entwickeln immer leistungsfähigere Technologien, die uns das Leben und die Arbeit erleichtern sollen. Gleichzeitig scheint die Belastung durch diese Technologien zuzunehmen. Eine aktuelle Untersuchung der Universität Edinburgh zeigt, wie stark beruflicher Stress den Schlaf beeinträchtigen kann. Und eine deutsche Umfrage kommt zum Ergebnis, dass 81 Prozent der Befragten mindestens einmal pro Stunde auf ihr Smartphone schauen, obwohl sich mehr als die Hälfte eigentlich mehr Zeit ohne digitale Medien wünscht.
Wir haben offenbar Mühe, mit den Möglichkeiten umzugehen, die wir selbst geschaffen haben. Das ist auch für den Thurgau ein Thema. Immerhin hat der Kanton den bewussten Umgang mit digitalen Medien ausdrücklich in seine Strategie zur Gesundheitsförderung und Prävention 2026–2029 aufgenommen. Ich finde, wir sollten uns diese Frage auch in unseren Unternehmen stellen: Wie können wir die Vorteile der Digitalisierung nutzen, ohne gleichzeitig die Belastung der Mitarbeitenden immer weiter zu erhöhen?
Ein zweiter Schwerpunkt dieses Newsletters beschäftigt sich mit Nachhaltigkeit. Die EU verschärft die Regeln gegen Greenwashing. Pauschale Umweltversprechen müssen künftig konkreten Anforderungen genügen. Das betrifft auch Unternehmen rund um den Bodensee, beispielsweise Obstproduzenten, die bisher mit Begriffen wie «Fair zur Umwelt» geworben haben. Gleichzeitig zeigen andere Beispiele, wie Nachhaltigkeit ganz praktisch funktionieren kann: durch die Elektrifizierung alter Vespas oder durch eine konsequente Verankerung nachhaltigen Handelns in Organisationen.
Und schliesslich geht es um Digitalisierung, die den Menschen tatsächlich etwas bringt. Zwei Beispiele aus Deutschland zeigen, wie digitale Anwendungen alltägliche Probleme lösen oder nachhaltiges Verhalten erleichtern können. Auch der Thurgau ist hier unterwegs. Der digitale Schalter des Kantons bietet inzwischen über 100 Dienstleistungen an, die online erledigt werden können. Vielleicht ist das eine ganz brauchbare Messlatte für Fortschritt: Wie viel besser wird unser Alltag dadurch tatsächlich?
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.
Herzliche Grüsse
Matthias Mölleney
Präsident der Stiftung Think Tank Thurgau
Stress
KI, Sonntagsarbeit, Stress: Warum die moderne Arbeitswelt den Schlaf raubt
Die moderne Arbeitswelt wird zunehmend durch Stress, neue Technologie und gelockerte Arbeitsschutzregelungen geprägt. Besonders ältere Beschäftigte leiden unter Schlafproblemen und Überlastung, wie eine Studie der University of Edinburgh zeigt. Künstliche Intelligenz bringt zusätzliche Komplexität, während Sonntagsarbeit und weniger Kontrollen zunehmen.
Digitaler Dauerstress: Der Kampf gegen das eigene Smartphone
Viele Menschen leiden unter digitalem Dauerstress, da sie ständig auf Smartphones und Tablets schauen. Trotz des Wunsches vieler, offline zu sein, behindern sozialer Druck und FOMO das Abschalten. Softwarelösungen scheitern oft, physische Geräte wie Zenbox boomen. Professor/innen und Expert/innen betonen den Zusammenhang von Technologie und psychologischen Mechanismen. Konzentration könnte zum Luxusgut werden, während der Markt für digitale Entschleunigung wächst.
Nachhaltigkeit
Greenwashing-Verbot: EU untersagt Labels wie „klimaneutral“ ab sofort
Ab September 2026 verbietet die EU pauschale Umwelt-Labels wie „klimaneutral“, wenn sie nicht konkret belegt und unabhängig zertifiziert sind. Unternehmen dürfen Nachhaltigkeitsaussagen nur machen, wenn sie diese klar erläutern und nachweisen können. Eigenlabels oder nicht geprüfte Siegel sind verboten, Verstösse werden sanktioniert. Kleine Firmen befürchten Kosten und unverkäufliche Altware, profitieren langfristig aber von mehr Verbrauchervertrauen und klaren Spielregeln.
Nostalgie und Nachhaltigkeit: Ein zweites Leben für die Vespa
Italiens Innenstädte verbieten immer häufiger alte, laute und umweltschädliche Motorroller wie die Vespa. Besitzer stehen vor der Frage, wie sie ihre Fahrzeuge weiter sinnvoll nutzen können. Mit modernen Umbau-Kits lassen sich klassische Vespas in umweltfreundliche E-Roller verwandeln. So erhalten die beliebten Klassiker ein zweites Leben – nachhaltig, wertschätzend und im Einklang mit aktuellen gesetzlichen Vorgaben.
Nachhaltige Organisationsentwicklung und Umgang mit Widerständen
Nachhaltigkeit in sozialen Organisationen erfordert ein systematisches Vorgehen, das ökologische, soziale und wirtschaftliche Belange integriert. Entscheidend sind die Verankerung in Strukturen, die ernsthafte Einbindung der Mitarbeitenden und ein offener Umgang mit Widerständen. Veränderungsprozesse gelingen vor allem durch Beteiligung, kontinuierliche Reflexion und transparente Kommunikation.
Digitalisierung
Diese staatliche App soll ein Problem lösen, das fast jeder im Alltag kennt
Die neue d-You-App bündelt in Deutschland Personalausweis, Führerschein und weitere Nachweise digital auf dem Smartphone. Sie basiert auf dem EU-weiten EUDI-Wallet-Standard und startet 2027. Zum Start können Nutzer ihr Alter nachweisen, Bankkonten eröffnen und Verträge digital abschließen. Dokumente werden verschlüsselt und sicher gespeichert. Bei Handyverlust ist eine Sperrung möglich. Rund 40 Partner aus Wirtschaft und Verwaltung sind zum Start dabei. Ziel ist die europaweite Nutzung.
Neue Smart City-App wird nachhaltige Angebote sichtbarer machen
Die neue smart.wuppertal-App unterstützt Bürger dabei, nachhaltige Alltagsentscheidungen zu treffen. Das Modul „Talhelden“ bündelt Angebote rund um Reparatur, Wiederverwendung und Recycling von Elektronik, Textilien und Möbeln. Unternehmen können sich kostenfrei registrieren. Ein KI-Foto-Chat hilft Nutzer:innen gezielt passende nachhaltige Angebote in Wuppertal zu finden und fördert somit Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung.
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